Arbeitsrelevante Kompetenzen der Österreicher:innen

Warum ist Kompetenz für unsere Gesellschaft im Allgemeinen und im Arbeitskontext im Besonderen wichtig?

Kompetenz…

  1. … bedeutet Effizienz und niedrigere Kosten für Arbeitgeber,
  2. … bedeutet satte Gehälter und Jobsicherheit für Arbeitnehmer,
  3. … ist die Grundlage für Innovation und Wachstum und
  4. … schafft daher Wohlstand.

Die Studie PIAAC 2023 Grundlegende Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich (Waxmann, 2024) ist aktuell erschienen und gibt Aufschluss darüber, wie es um die Lesekompetenz, die alltagsmathematische Kompetenz sowie die Problemlösungskompetenz der Studienteilnehmer:innen aus 29 OECD-Ländern und 2 Nicht-OECD-Mitgliedsstaaten bestellt ist.

Lesekompetenz im Sinne dieser Studie bedeutet, „schriftliche Texte erschließen zu können, sie zu verstehen, zu bewerten und zu reflektieren, um die eigenen Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln sowie am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen“ (Rouet et al., 2021, S. 42). Umgelegt auf die Kompetenztheorie von Erpenbeck et al stellt die Lesekompetenz eine Querschnittsmaterie aus fachlichen und personalen Kompetenzen dar: einerseits geht es beim Lesen um den Erwerb von Wissen und dessen analytisch-methodische Aufbereitung, andererseits geht es um Selbstreflexion mit dem Ziel, das eigene Potenzial für sich selbst und zum Nutzen des sozialen Umfelds weiterzuentwickeln.

Alltagsmathematische Kompetenz bedeutet, „auf mathematische Inhalte, Informationen und Ideen, die auf vielfältige Weise dargestellt sind, zugreifen zu können, diese zu nutzen sowie logisch und kritisch zu durchdenken, um so mit mathematischen Anforderungen in unterschiedlichen Situationen im Leben Erwachsener umzugehen“ (Tout et al., 2021, S. 93). Die kognitive Fähigkeit, logisch, analytisch, wertend und komplexitätsreduzierend mit Informationen und Daten umgehen zu können, stellt einen wichtigen Teilbereich der Erpenbeck´schen Fachkompetenz dar. 

Adaptives Problemlösen bedeutet, „seine Ziele in einer dynamischen Situation, für die der Lösungsweg nicht unmittelbar ersichtlich ist, zu erreichen. Hierfür ist es erforderlich, in unterschiedlichen Informationsumgebungen und -kontexten kognitive und metakognitive Prozesse durchzuführen, um das Problem zu definieren, nach Informationen zu suchen und eine Lösung umzusetzen“ (Greiff et al., 2021, S. 159). Es handelt sich somit um einen Kompetenzmix aus Fach- und Handlungskompetenz, wie er nach meinen Beobachtungen in der Praxis keineswegs alltäglich ist. Vielmehr verfügt lediglich eine Minderheit über die Fähigkeit, logisch-planvolles Denken mit einem lösungsorientierten, erfolgversprechenden Handeln zu kombinieren, um auf diese Weise Arbeitsziele zu erreichen.

Wie ist es nun um die Lesekompetenz der Österreicher bestellt? Unter 31 Ländern belegen wir lediglich Platz 19 und liegen damit unter dem OECD-Durchschnitt. Generell merkt die Studie an, dass die Lesekompetenz der Frauen ausgeprägter ist als die der Männer. Frauen sind somit bildungsaffiner und reflektierter als Männer - ein Ergebnis, das mich als Wirtschaftstrainer nicht erstaunt.

Was die alltagsmathematische Kompetenz angeht, belegen wir den 15. Platz. Damit weisen Österreicher Mathematik-Skills auf, die im OECD-Durchschnitt liegen. Wer die Diskussion um die Förderung der weiblichen MINT*-Skills mitverfolgt, wird nicht überrascht sein, dass Frauen im Vergleich zu Männern in dieser Kompetenzkategorie Aufholbedarf haben. *MINT: Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik

Bei der Problemlösungskompetenz liegen wir auf Platz 13 und damit geringfügig über dem OECD-Durchschnitt. Diese Kompetenzart ist für mich eine von vielen Schlüssel-Skills, die einen guten Unternehmer ausmachen. Diesbezüglich verfügen wir in Österreich also über keine schlechten Voraussetzungen, um unseren kollektiven Unternehmergeist zu stärken. Details zur adaptiven Problemlösungsfähigkeit, z.B. nach Geschlecht, Alter oder sozialer Herkunft, stellt diese Studie allerdings bedauerlicherweise nicht zur Verfügung.

Generell weist die Studie darauf hin, dass Migranten in allen oben genannten Grundkompetenzen wesentlich schwächer sind als Nichtmigranten. Nachdem Österreich in den letzten Jahren einen massiven Zuzug an nicht deutschsprachigen Menschen erfahren hat, ist das Abschneiden bei der Lesekompetenz möglicherweise auf diesen Faktor zurückzuführen. Der Migrantenanteil unter den Studienteilnehmern geht aus der Studie jedoch nicht hervor.

Ebenso weist die Studie auf die Bedeutung der sozialen Herkunft, insbesondere des Bildungsniveaus der Eltern, für den Erwerb und die Stärkung von Grundkompetenzen in jungen Jahren hin. Das Fehlen höherer Bildung im Elternhaus stellt somit einen negativen Sozialisationseffekt dar, der meines Erachtens durch Maßnahmen in Bildungsinstitutionen (z.B. Sprach- und Lernförderung) nur bedingt wettgemacht werden kann.

Doch nun genug der grauen Kompetenztheorie. Schließlich biete ich an der Wirtschaftskammer Wien den Praxisworkshop "Kompetente MitarbeiterInnen finden" an - für all jene Arbeitgeber:innen, die kompetente Angestellte finden und behalten wollen. Vielleicht sehen wir uns dort am 4.2.2025.

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